Ein Stück vom Kuchen: Die österreichische Bahn will auf dem Fernbus-Markt mitmischen

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Ein Stück vom Kuchen: Die österreichische Bahn will auf dem Fernbus-Markt mitmischenMan habe die Dynamik des Fernbus-Marktes unterschätzt, gaben Sprecher der Deutschen Bahn vor einigen Monaten zu. Günstige Preise und komfortable Features, wie kostenloses WLAN und ausreichend Steckdosen, führten dazu, dass seit der Liberalisierung im Jahr 2013 immer mehr Kunden vom Zug auf den Bus umgestiegen sind. Um nicht das Schicksal der Deutschen Bahn zu teilen, planen die Österreichischen Bundesbahnen nun, selbst aktiv zu werden und in das Geschäft mit dem Fernbus einzusteigen.

Ein absolutes Novum ist der Busverkehr für die ÖBB dabei nicht, denn im Nah- und Regionalverkehr betreibt diese bereits jetzt den ÖBB-Postbus, mit dem rund die Hälfte der Gesamtkundschaft an ihr Ziel gebracht wird. Überregional werden unter der Marke ÖBB Intercitybus aktuell zwei Linien angeboten, die von Klagenfurt nach Graz und Venedig führen. Ob eine dieser beiden Marken für die geplante Fernbus-Initiative Verwendung findet, ist noch unklar. Auch ein gänzlich neuer Markenauftritt wäre denkbar. Zu Spekulationen führt auch die künftige Unternehmensstruktur. Diskutiert werden im Moment Kooperations- und Partnermodelle. Die beiden österreichischen Busunternehmen Blaguss und Dr. Richard kündigten bereits Interesse an. Die ÖBB könnte im Rahmen der Zusammenarbeit von den Erfahrungen der Anbieter profitieren: Während Blaguss bereits mit FlixBus kooperierte und aktuell unter dem Namen WESTbus Linien im Auftrag des ÖBB-Konkurrenten WESTbahn fährt, sind die Busse von Dr. Richard momentan für MeinFernbus unterwegs. Details über den Einstieg in den Fernbus-Markt könnten am 6. Oktober folgen, denn dann steht dieser laut einem Bericht des Wirtschaftsmagazins trend auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung der ÖBB Holding.

Während die ÖBB selbst zuversichtlich ist, sind Experten skeptisch und geben zu bedenken, dass die Fernbus-Initiative bereits zu spät sein könnte. Mögliche Folgen sieht man am Beispiel der Deutschen Bahn, die im Jahr 2014 ein Umsatzminus in Höhe von rund 200 Millionen Euro verzeichnete. Erst vor wenigen Wochen gab die Bahn bekannt, von nun an als alleiniger Inhaber des Fernbus-Anbieters Berlin Linien Bus zu agieren und selbst verstärkt am Fernbus-Markt aktiv sein zu wollen. Ihre Lektion daraus gezogen hat unterdessen die französische Staatsbahn SNCF: Mit Bekanntgabe der Liberalisierung des Fernbus-Marktes in Frankreich, setzte diese auf einen neuen, modernen Markenauftritt der hauseigenen Bus-Flotte unter dem Namen OUIBUS. Zusätzlich zögerte man nicht, mit zahlreichen neuen Linien an den Start zu gehen und mit attraktiven Eröffnungsangeboten zu glänzen. Egal ob per Bus oder Bahn: Die Kunden will man so weiterhin an das eigene Unternehmen binden, statt sie an die Konkurrenz aus dem In- und Ausland zu verlieren.

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