Der Bus als mobiles Wohnzimmer

Der Bus als mobiles WohnzimmerBereits seit der Liberalisierung des Marktes im Jahr 2013 beweisen Fernbusse, dass sie nicht nur beim Preis, sondern auch in Sachen Komfort und Service punkten können. Bei nahezu allen Fernbus-Anbietern können Fahrgäste kostenloses WLAN und Steckdosen nutzen. Meist können während der Fahrt auch Snacks und Getränke erworben werden. Über das MediaCenter können Reisende in den Bussen von Postbus und MeinFernbus kostenlos Filme und Musik auf das eigene Endgerät laden. Das amerikanische Busunternehmen Leap beweist nun allerdings, dass dies erst der Anfang ist und der Fernbus von Morgen zum mobilen Wohnzimmer werden kann.

Seit Anfang März bietet Leap den Berufspendlern in San Francisco eine Alternative zum üblichen Nahverkehr. Wer dazu bereit ist, 6 US-Dollar pro Fahrt – etwa das Dreifache eines Tickets für den Stadtbus – zu zahlen, kommt in den himmelblauen Bussen in den Genuss höchsten Komforts. Kyle Kirchhoff, der Gründer des Unternehmens, beschreibt die Fahrzeuge als eine Kombination aus dem eigenen Wohnzimmer, dem Arbeitsplatz und einem gemütlichen Café. Um dies umzusetzen, wurden die üblichen Sitzreihen aus den Bussen entfernt und durch lederbezogene Sitzgruppen und Barhocker ersetzt. Die Fensterplätze verfügen jeweils über einen Arbeitstisch und USB-Anschlüsse, damit Pendler bereits während der Fahrt ins Büro produktiv sein können. Minimalistisches Design mit Holz- und Lederapplikationen zeichnet das moderne Innere der Busse aus.

Den Service von Leap kann jeder nutzen, der die Smartphone-App heruntergeladen hat und über eine Kreditkarte verfügt. Das Ticket wird per Handy gekauft und bezahlt. Beim Einsteigen muss daraufhin lediglich der QR-Code auf dem Display gescannt werden. Auch viele Fernbus-Anbieter in Deutschland machen sich diese Technik bereits zunutze. Noch bequemer geht es bei Leap allerdings mit dem automatischen Check-In per Bluetooth. Hierfür muss nicht einmal das Smartphone aus der Tasche geholt werden. Aufgrund des unvorhersehbaren Stadtverkehrs in San Francisco setzt Leap auf eine Tracking-Funktion statt auf Fahrpläne. In der App kann der Nutzer alle Busse in Echtzeit verfolgen und einsehen, wann der nächste Bus kommt und wie viele Plätze noch verfügbar sind. Wer verschläft und keine Zeit für ein Frühstück hatte, kann dies im Leap-Bus nachholen. Per App kann der Fahrgast einfach und bequem einen gesunden Snack, einen Iced Coffee oder einen frisch gepressten Saft bestellen. Das Servicepersonal bringt die Bestellung daraufhin direkt an den Platz.

Ob das noch junge Konzept auf nachhaltigen Erfolg stoßen kann, bleibt noch abzuwarten. Gegner der High-Comfort-Busse befürchten, dass die Zwei-Klassen-Gesellschaft in San Francisco durch Projekte wie Leap oder die Privatbusse, die Firmen wie Google seit geraumer Zeit für ihre Angestellten nutzen, auch auf den öffentlichen Nahverkehr übertragen wird. Verkehrsexperten weisen unterdessen darauf hin, dass derartige Konzepte auch dazu führen könnten, dass der gängige Busverkehr entlastet wird. Obwohl sich Leap auf den Nahverkehr beschränkt, können Fernbus-Anbieter in Deutschland von derartigen Projekten profitieren und anhand der Beispiele die eigenen Serviceleistungen optimieren.

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