FlixBus prüft Gründung einer Schweizer Tochtergesellschaft

FlixBus prüft Gründung einer Schweizer TochtergesellschaftWährend Fernbusse in weiten Teilen Europas freie Fahrt haben, hält die Schweiz noch immer am Kabotageverbot fest. Um nationale Unternehmen zu schützen, ist es ausländischen Firmen nicht gestattet, innerhalb der Schweiz Personen oder Güter zu transportieren. Dementsprechend sind aktuell lediglich grenzüberschreitende Fernbuslinien erlaubt. So können Schweizer Fahrgäste zwar mit dem Fernbus von Zürich nach Mailand oder München reisen, nicht aber nach Bern oder Basel.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV), das in der Schweiz für die Einhaltung des Kabotageverbots sorgt, eröffnete nun ein Verfahren gegen den Fernbus-Anbieter FlixBus, der im Verdacht steht, im vergangenen Sommer Fahrgäste innerhalb der Schweiz transportiert zu haben. Bei der Strecke von Zürich über Basel zum EuroAirport Basel Mulhouse Freiburg handelt es sich grundsätzlich um eine grenzüberschreitende Verbindung, da der Flughafen von der französischen Seite angesteuert wird. Dementsprechend können Kunden auch kein Ticket von Zürich nach Basel buchen, sondern nur zur Endhaltestelle. Allerdings wurde im Sommer beobachtet, dass einige Fahrgäste schon vorzeitig am Bahnhof Basel ausgestiegen sind, womit ein Verstoß gegen das Kabotagegesetz vorliegen könnte.

Der Fernbus-Anbieter FlixBus hat das Problem bereits erkannt und will künftig besser über die Gegebenheiten auf Schweizer Linien informieren. So werden die Busse mit Hinweisen in viersprachiger Ausführung ausgestattet und auch auf den Tickets selbst wird sich künftig ein Hinweis dazu finden. Zusätzlich sollen auch die Fahrer auf den betroffenen Strecken für das Problem sensibilisiert werden. Gleichzeitig verweist FlixBus allerdings darauf, dass man Kunden letzten Endes nicht gegen ihren Willen vom Aussteigen abhalten könne.

Trotz des anstehenden Verfahrens eröffnet FlixBus am 28. Oktober 2016 eine neue Linie durch die Schweiz. Diese führt von Konstanz über Zürich, Bern, Lausanne und Genf direkt nach Lyon und verläuft so parallel zur wichtigsten Ost-West-Verbindung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Auch in diesem Fall sind grundsätzlich keine Tickets für Fahrten innerhalb der Schweiz buchbar. Allerdings wird befürchtet, dass Fahrgäste erneut vor der Endhaltestelle aussteigen könnten. Grund dafür ist die große Preisdifferenz zur SBB: Während eine Fernbus-Fahrt von Zürich nach Lyon schon ab 17 Euro verfügbar ist, zahlt man bei der SBB für die einfache Fahrt von Zürich nach Genf 87 Franken, was etwa 80 Euro entspricht.

FlixBus freut sich unterdessen über das große Interesse an Schweizer Fernbuslinien und sieht sich daher nach Wegen um, den streng regulierten Markt trotz fehlender Liberalisierung zu erobern. So könnte die Gründung einer Tochtergesellschaft in der Schweiz beispielsweise zum Erfolg führen. In Italien, Frankreich und zuletzt in Dänemark konnte FlixBus bereits anhand von Ländergesellschaften nationale Fernbus-Netze aufbauen. Allerdings wäre dieses Vorgehen in der Schweiz mit einigen Hürden verknüpft: Will FlixBus eine Schweizer Tochtergesellschaft gründen, müssten den Angestellten nicht nur Schweizer Löhne gezahlt werden, sondern auch die hiesigen Sicherheitsbestimmungen müssten eingehalten werden. Zusätzlich dazu gilt weiterhin, dass FlixBus nicht in Konkurrenz zum bereits bestehenden Schweizer Personenverkehr treten dürfte, was der Genehmigung profitabler Linien im Weg stehen könnte.

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